Rezension: „Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten“ und „Einladung zum Klassentreffen“. Zwei Theaterstücke von Martin Schörle.

Screenshot_20190212-173832~2.png

Titel: „Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten“ und „Einladung zum Klassentreffen“. Zwei Theaterstücke.
Autor: Martin Schörle
Verlag: Engelsdorfer
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 119
Preis: 9,50€

Wie in dem Titel des Buches schon deutlich wird handelt es sich hier um zwei voneinander unabhängige Theaterstücke von Martin Schörle. Dementsprechend bekommt auch jedes Stück seine eigene Bewertung.

Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten

In Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten geht es um Hans Fredenbeck, der Inbegriff des Beamten-Klischees am Rande des Wahnsinns oder der (bereits überschrittenen?) Grenze zum Burnout. Fredenbeck weiß natürlich ganz genau, wie man mit Frauen umgehen muss (zumindest denkt er das) oder welche seltsamen Eigenarten die Kollegen haben (er selbst ist natürlich nicht so). Dazu hat er immer die richtigen Verordnungen und Paragraphen parat, um sich stets an die Richtlinien und Vorschriften zu halten und dies auch von allen Anderen einzufordern. In seinem lustigen Monolog schildert er auf unterhaltsame Weise die ein oder andere Anekdote aus seinem Leben, von der Verschwörung der Radiergummi, seinem letzten Italien-Urlaub bis hin zu dem missglückten Flirt mit einer Kollegin und erklärt dem Zuschauer seine Welt.

Während des Lesens konnte ich Fredenbeck geradezu vor mir sehen. Ich habe eine genaue Vorstellung von ihm bekommen und kann mir das Stück sehr gut auf der Bühne  Es kommen viele Anspielungen auf prominente Personen oder die Einbindung bekannter Lieder vor, die für einige Lacher sorgen. Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten spielt mit Stereotypen und parodierten Vorurteilen, mit Alltagskomik und Gedankenspielen mit maßlosen Übertreibungen. Hans Fredenbeck ist nicht gerade ein Sympathieträger, seine Erlebnisse in Freizeit und Büro sowie seine unbeholfene Hektik sorgen jedoch für eine (von Fredenbeck unfreiwillige, vom Autor natürlich beabsichtigte) unterhaltsame Komik.

Ich fand das Stück sehr unterhaltsam und gut geschrieben, an einigen Stellen fand ich den Humor allerdings etwas platt und es hat es sich teilweise etwas gezogen. Das insgesamt aber sehr lustige Theaterstück bekommt von mir daher 4 von 5 Sternen!
★★★★☆

Einladung zum Klassentreffen

Wer kennt es nicht? Man sitzt im Zug, hat seine Kopfhörer vergessen und ein paar Reihen weiter telefoniert jemand. Ob beabsichtigt oder nicht, man kann meistens gar nicht anders als ein bisschen zuzuhören! Genau in der Situation befindet man sich gemeinsam mit einigen weiteren Fahrgästen in Einladung zum Klassentreffen, als Marinas Handy klingelt und ihre Jugendliebe von vor 20 Jahren anruft, um sie zu einem Klassentreffen einzuladen. Im Laufe des Telefonats kommt nach und nach ans Licht, was im Leben von Marina und Carsten seit dem Abitur geschehen ist.

Die Idee dieses Stückes hat mir extrem gut gefallen! Diese mitgehörten Gespräche im Zug kenne ich nur zu gut und finde die Idee, daraus ein Theaterstück zu machen, sehr interessant. Es hat mich auch ein bisschen an die Studenten-App Jodel erinnert, bei der verrückte Geschichten und sich anbahnende Romanzen regelmäßig von Hunderten neugieriger Studenten verfolgt werden.

Die Story an sich fand ich leider etwas flach. Das, was in den vergangenen 20 Jahren in Marinas und in Carstens Leben passiert ist, ist nicht besonders spannend. Marina ist „glücklich geschieden“ von ihrem sehr erfolgreichen Ex-Mann Holger, der seine Arbeit mehr geliebt hat als sie, und Carsten hat immer noch dieselben Gefühle für Marina wie schon vor zwanzig Jahren, hat aber mittlerweile einen Sohn. Die Dialoge bestehen zu einem großen Teil aus „Nein!“ – „Doch!“ – „Echt?“ – „Ja“ und haben relativ wenig Inhalt. Irgendwie fand ich auch die beiden Hauptpersonen nicht so sympatisch und habe nicht wie die Fahrgäste aus dem Zug, die Marinas Telefonat mit angehört haben, mitgefiebert, ob sie und Carsten wohl zusammenkommen. Die zwei Rückblenden, die Marina einmal im Urlaub mit ihrem Noch-Ehemann Holger und einmal bei einer Therapeutin zeigen, bringen etwas mehr Leben in das Stück.

Es mag natürlich sein, dass auf der Bühne alles nochmal ganz anders rüberkommt, aber zumindest beim Lesen hat mir Einladung zum Klassentreffen nicht so gut gefallen. Die Idee an sich finde sehr ich gut und es gibt auch lustige Momente, aber der Gesamteindruck ist für mich leider eher etwas schwächer. Deswegen vergebe ich für dieses Stück nur 2 von 5 Sternen.
★★☆☆☆

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s